Gyula Julius Sebő

Unternehmer, Erfinder – Gründer der Marke Julius-K9®, Schriftsteller, Musiker

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Im Schatten von Katastrophen

dec - 22 - 2010
Julius Sebő

ES IST EIN EIGENARTIGER ZUFALL, DASS LÁSZLÓ PAVELCZE, CHEF VON RESCUE 24, DER GRÖSSTEN UNGARISCHEN RETTUNGS- UND HUNDESTAFFEL, GERADE MAL 500 METER VON MIR ENTFERNT WOHNT. SEIT JAHREN „SCHLICHEN“ WIR ALSO BUCHSTÄBLICH ANEINANDER VORBEI, BIS WIR BEGRIFFEN,  DASS ES DOCH EINEN WICHTIGEN GRUND FÜR EINE ABSICHTLICHE BEGEGNUNG GIBT: RESCUE 24 UND JULIUS-K9 MÜSSEN ZUSAMMENARBEITEN! UND SO FREUTE ICH MICH UM SO MEHR DARÜBER, DASS DIE EINHEIT VON LASZLÓ MITTLERWEILE ZU EINER INTERNATIONALEN ORGANISATION HERANGEWACHSEN IST.

Im Schatten von KatastrophenIhre Arbeit erledigen sie mit Unterstützung des baptistischen Hilfsdienstes, allerdings wird auf diese Weise nur ein paar Leuten ein regelmäßiges Einkommen gesichert. Grundsätzlich arbeiten die Mitglieder der Einheit  ehrenamtlich. Es sind Feuerwehrleute, Polizisten oder Ärzte, die sich immer einsatzbereit halten und bei einer Alarmierung dabei helfen ein verschwundenes Kind zu suchen, nach einem Erdrutsch aufzuräumen oder bei Hochwasser Sandsäcke zu schleppen.

Innerhalb kürzester Zeit lernte ich viele nette Menschen aus der Gruppe kennen, aber leider beschränkt sich die Kontaktpflege überwiegend auf Telefonanrufe und E-Mails. Mein Freund János Bukó beispielsweise, Suchhundeführer, schickt mir wöchentlich Informationen und Bilder von Einsätzen, an denen er teilgenommen hat. Neben der alltäglichen Arbeit ist es für ihn auch nicht einfach, rasch auf eine offizielle Alarmierung zu reagieren. Trotzdem will er seinem Ehrenamt unbedingt weiter nachgehen. Bei einem Einsatz  überblickt Bukó schnell und mit erstaunlicher Routine die Situation, analysiert schnell welche Hilfsmöglichkeiten es gibt und findet dann die besten Lösungen. Bei der Suche nach einer verschwundenen Person sind die Helfer meist erfolgreich und finden diese rasch wieder. Bukó verweist  immer wieder gern darauf, dass Ungarn die europäische Wiege von Suchhundeeinsätzen ist. Ungarische Fachleute haben ihr Know How, ihr Spezialwissen von  früheren Bergwerkskatastrophen. Und die, wie er sagt – „ Alten“ –, haben auch anderen Ländern, westlich von Ungarn, viel beibringen können. So wurden sie beispielsweise schon oft zu aussichtslos erscheinende Situationen gerufen, und es gelang den ungarischen Hunden, die in hundert Meter Tiefe festsitzenden Verunglückten aufzuspüren. Es ist also kaum ein Zufall, dass diese Spezialisten samt ihren Hunden auch bei internationalen Einsätzen gern gesehene Helfer sind.

Als beispielsweise 2009 in Indonesien die Erde bebte, trafen neun technische Helfer, zwei Ärzte und fünf Rettungshunde aus unserer Heimat in der Trümmerwüste ein. Insgesamt arbeiteten 22 Teams und 77 Hunde aus verschiedenen Ländern daran, die Überlebenden ausfindig zu machen.

Leider ist es nicht immer möglich, die Hunde über so große Entfernungen zu transportieren. Wer die Nachrichten von dem 2010 Haiti erschütternden Erdbeben verfolgt hat, kann sich leicht vorstellen, dass die dort herrschenden Zustände leicht sämtliche bis dahin existierenden Vorstellungen von einer Naturkatastrophe übertroffen haben.

In Haiti wurde László Pavelcze mit der Leitung einer aus amerikanischen, australischen und ungarischen Mitgliedern bestehenden internationalen Rettungstruppe beauftragt. Zum Zeitpunkt  ihrer Ankunft, knapp eine Woche nach dem ersten großen Erdstoß, hatten die lokalen Behörden bereits 40.000 Menschen auf alle möglichen Arten beerdigt, um Infektionen zu vermeiden. Die in eine schier aussichtslose Lage geratenen Menschenmassen, sowie die zahllosen Verletzten erschwerten die Rettung der noch unter den Trümmern Eingeschlossenen außerordentlich.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass der grundsätzliche Unterschied zwischen den für eine spezielle Rettungsaufgabe tauglichen und den für solche Aufgaben nicht geeigneten Personen darin besteht, wie sie auf die „Notlage“ beziehungsweise deren Ausmaß reagieren. Jedes einzelne Teammitglied von Rescue 24 spornen der Stress und die hoffnungslos erscheinenden Umstände ihrer Arbeit eigentlich nur noch mehr an.

Die Teammitglieder arbeiten in solchen schlimmen Situationen wie Maschinen.  Tageszeiten, persönliche und biologische Bedürfnisse wie Müdigkeit oder Hunger werden quasi ausgeblendet. Ihr Leben verwandelt sich in einen endlosen Actionfilm, in dem allerdings das Happy End und die für ihre Szene maßgeschneiderte Hintergrundmusik fehlen. Ihre Ohren und auch die der Tiere passen sich an, ja sie stumpfen regelrecht ab und nehmen den immerwährenden Lärm nicht mehr wahr. Das Gedröhne der Maschinen, das Heulen der Sirenen, das verzweifelte Schreien der vielen Menschen und das Weinen der Kinder schwingen nur unwirklich in der Luft. Der häufigste Satz, den das Team in solchen Situationen sagen muss, lautet: „GIBT ES NICHT“, egal ob nach Essen, einer Decke oder Trinkwasser gefragt wird. An allem herrscht Mangel, sogar die Luft zum Atmen wird mittlerweile für die sowohl über als auch unter der Erde Verschütteten beängstigend knapp.
Dabei gibt es keinen Regisseur, der sagen würde: Das machen wir noch einmal! Und der die Kulissen erneut aufrichten ließe. Es herrscht Chaos, außen – aber auch innen in den Menschen. Derjenige, der etwas tun möchte, ist gut daran geraten so viel Geistesgegenwart zu haben, dass er die eigene Kraft im Gleichgewicht hält. Das können allerdings nur solche, die nicht vom Ort der Katastrophe stammen, die nicht hier gelebt und alles verloren haben. Für viele wird  ein Leben zu wenig sein, um all das zu verarbeiten, was innerhalb von wenigen Tagen geschehen ist. Deswegen ist es so wichtig, dass auch von außen Hilfe kommt!
Ob es um die ärmsten Länder der Welt oder um die Opfer eines Hurrikans in Florida geht, die Katastrophe durchleben alle dort Ansässigen als Menschen aus Fleisch und Blut. Sie sind in einem Schockzustand und würden flüchten oder versuchen alles zu retten, was nicht zu retten ist, was von ihrem Leben übriggeblieben ist. Ohne fachkundige Hilfe würden viele in ihr Verderben rennen. Von einem Menschen, der Augenblicke zuvor gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist, kann man kaum erwarten, dass er die Situation in ihrem kompletten Ausmaß mit sämtlichen Auswirkungen und Gefahren begreift, einschätzt und entsprechend agiert. Die aus dem Ausland herbeieilenden organisierten Rettungsteams sind deshalb überall auf der Welt eine wertvolle Unterstützung für die örtlichen Kräfte.

Der Einsatz in Haiti hat die Mitglieder von Rescue 24 bis auf das Äußerste erschöpft. Mit ihrer Arbeit haben sie Vieles für diejenigen getan, für die es sonst kaum eine Chance gegeben hätte. Allerdings konnte das Team nicht zufrieden nach Hause kommen, weil die Natur in diesem unendlich armen Land eine tiefe Wunde hinterlassen hat. Die Rettungsmannschaften konnten nur hoffen, dass jemand die Verbände derjenigen Verletzten wechselt, deren Wunden als Erstes versorgt worden waren. Das Notteam kam gesund aus Haiti zurück. Nach einigen Wochen kehrte Normalität in das Leben eines jeden zurück.
Dann begannen die Vorbereitungen für die siebte internationale Übung von Rescue 24, die diesmal  in den USA, in Nord-Kalifornien, stattfinden sollte. Bis in die kleinsten Einzelheiten wurde der Transport der Hunde und der Spezialausrüstungen geplant. Schließlich war alles bereit.

Dann kam der 4. Oktober 2010, ein Montag, und die Rettungsmannschaft musste umdenken. Diesmal wurden sie zu Hause in Ungarn gebraucht. Bei der Gemeinde Kolontár war ein Auffangbecken für den aus dem Tonerdewerk in Ajka stammenden roten Schlamm gebrochen. Der alkalische Todesschlamm überschwemmte die angrenzenden Dörfer und tauchte alles in rote Farbe. Vielen missglückte die Flucht vor dem starken Strom. Manche konnten sich auf Häuserdächer und umliegende Hügel retten. Die am Ort des Geschehens eintreffenden Dienste mussten in den ersten drei Stunden quasi hilflos die Zerstörungen betrachten. Das Ausmaß der Katastrophe konnte niemand einschätzen, doch erreichte der Alarm jede existierende Einheit, die für Rettungsmaßnahmen geeignet war.

Als man László Pavelcze mit der Koordinierung der Rettungsarbeiten im Katastrophengebiet beauftragte, wurden mehrere Tote aus dem Schlamm geborgen und Schwerverletzte ins Krankenhaus transportiert. Auch die schier aussichtslos erscheinende Suche nach Vermissten ging weiter. Das alkalische Abwasser ergoss sich unterdessen in den Fluss Marcal, in dem sämtliches Leben restlos vernichtet wurde. Zudem bewegte sich die ätzende Flut weiter in Richtung des Flusses Raab. Die Welt richtete ihren Blick nach Kolontár in Ungarn. Eine endlose Reihe an Vermutungen beschäftige die Medien weltweit. Wer trägt die Schuld? Wie wird dieses Todesabwasser in anderen Staaten behandelt? Wie groß sind die Auswirkungen auf die Flüsse, die  Ungarn verlassen? Was passiert, wenn der Wind beginnt, den getrockneten Schlamm wegzublasen?

Diese ungarische Katastrophe warf ein Schlaglicht auf eines der wichtigsten Probleme! Nämlich, dass überall auf der Welt versucht wird, die preisgünstigste Lösung für die Lagerung oder das „Verschwinden“ derartiger Abwässer zu finden. Ausländische Politiker erklärten, dass die Meere und Ozeane, darunter hauptsächlich die Tiefseegräben, seit Jahrzehnten als Industriemülldepot dienen. Die giftigen in der Tiefe versenkten Substanzen könnten jederzeit aufgrund von Bewegungen der Gesteinsplatten oder durch Erdbeben an die Oberfläche gelangen.
Die aktuelle Katastrophe erschütterte die Welt einen Augenblick lang. Aus diesem Anlass fordert die Öffentlichkeit auch in anderen Ländern eine strengere Überwachung der Müllentsorgung. Vielleicht verbessert sich auch bei uns die Lage. Doch, was passiert ist, ist passiert. Die Menschen ziehen um oder tragen Masken, die Tiere nicht.
Sie leben weiterhin im Schatten von Katastrophen! Durch die Lauge erblindet, an den Pfoten verätzt, torkeln viele Tiere auch jetzt, nach der Katastrophe, noch tage- und wochenlang entlang ihrer geläufigen Fährten. Zoltán Botos, der örtliche Abdecker, meinte, dass viele Partnerorganisationen landesweit seine Arbeit zur Unterbringung der aufgegriffenen und ins Unglück geratenen Haustiere unterstützt hätten, doch auch sie arbeiteten jenseits ihrer Kräfte. Auf meine Frage, was mit den Wildtieren der Region geschähe, winkte er nur traurig ab.
Wer hier lebt weiß, dass um diese Zeit Zugvögel zu Tausenden über die Felder ziehen. Vielleicht markieren sie auf ihren Landkarten ein „X“ über jener rötlichen Todeslandschaft und halten damit fest, dass es wieder einen Ort mehr auf der Erde gibt, wo man als Tier nicht mehr leben kann, weil sie nur noch uns gehört! Nur der  Menschheit!

Gyula Sebő – K9


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